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Wanderungen innerhalb Sachsens

Letzte Aktualisierung: 10.08.2021

Wanderungsvolumen innerhalb Sachsens

Als Binnenwanderung werden alle Umzüge über die Gemeindegrenzen innerhalb Sachsens bezeichnet. Da der Fortzug aus einer Gemeinde gleichzeitig ein Zuzug in eine andere Gemeinde ist, wird bei der Binnenwanderung für Sachsen nur eine Richtung betrachtet. Binnenwanderungen können persönliche Gründe wie die Familiengründung oder Veränderung der Wohnungsverhältnisse haben, aber auch bildungs- und arbeitsmarktbedingte Umzüge spielen eine große Rolle. Nicht zu unterschätzen sind Wanderungsfälle, die durch Verwaltungshandeln entstehen, wie z.B. die Verteilung von Asylbewerbern.

Säulendiagramm Wanderungen innerhalb Sachsens von 1989 bis 2020. Als Linie sind die Binnenwanderungen je 1000 Einwohnerinnen und Einwohner dargestellt. Im Durchschnitt der Jahre lagen diese bei 24,3 je 1000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Bedingt durch die gesellschaftlichen Veränderungen zu Beginn der 1990er Jahre und die starke Abwanderung in das frühere Bundesgebiet waren die Binnenwanderungen in den Jahren 1991 bis 1993 mit durchschnittlich 60 500 Fällen unterdurchschnittlich, was sich auch in einer geringen Binnenwanderungsrate von 13 Wanderungen je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner widerspiegelt. Mit der beginnenden Neubautätigkeit ab 1994 nahm auch die Binnenwanderung deutlich zu. Sie erreichte mit 132 200 innersächsischen Wanderungen 1997 einen der Höchstwerte im gesamten Betrachtungszeitraum. Auch in den darauffolgenden Jahren blieb die Binnenwanderung auf einem Niveau von über 100 000 Wanderungsfällen pro Jahr. Ausnahmen bildeten die Jahre 2006 und 2007, in denen die Binnenwanderung mit 99 600 Wanderungen (2006) bzw. 99 000 (2007) leicht darunter lag. Eine weitere größere Veränderung gegenüber den vorangegangenen Jahren gab es auch in den Jahren 2015 und 2016, in denen die Binnenwanderungen auf 135 600 im Jahr 2015 sowie auf 134 500 im Jahr 2016 anstiegen. Diese hohen Zahlen haben ihre Ursache auch in der innersächsischen Verteilung der Schutzsuchenden.

Die Binnenwanderungen je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner lagen durchschnittlich bei 24,3. In den Jahren 1997 und 1998 sowie 2014 bis 2017 lagen sie jedoch jeweils über 28 Wanderungen je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Altersstruktur der Binnenwanderung

Da die Wanderungen innerhalb Sachsens einerseits von der deutschen Bevölkerung bestimmt werden und zweitens die Wanderungen der nichtdeutschen Bevölkerung innerhalb Sachsen stark auf Verwaltungshandeln zurückzuführen ist, wird die Betrachtung der Altersstruktur auf die deutsche Bevölkerung beschränkt. Auf die Bevölkerung Sachsens insgesamt haben die Binnenwanderungen keinen Einfluss, die Betrachtung nach Altersgruppen gibt aber Hinweise auf mögliche Motive des Umzugs innerhalb Sachsens.

Gestapeltes Säulendiagramm Wanderungen innerhalb des Freistaates Sachsen von 1989 bis 2020 nach 5 Altersgruppen. Im Betrachtungszeitraum war Altersgruppe der 25- bis unter 45-Jährigen die mobilste.

Die Altersstruktur der innerhalb Sachsens Wandernden hat mit seinen mobilen Hauptaltersgruppen über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg wesentlich Bestand. Im Zeitraum 1989 bis 2020 hatten die Altersgruppen bis unter 45 Jahre den größten Anteil am Wanderungsgeschehen mit durchschnittlich 78,5 Prozent. Dabei war die Altersgruppe der 25- bis unter 45-Jährigen mit einem durchschnittlichen Anteil von 38,0 Prozent am mobilsten. Gleichwohl verschoben sich die Anteile zu verschiedenen Zeiten. So lag der Anteil der unter 18-Jährigen bis 1998 bei über 20 Prozent und ging dann bis auf rund 14 Prozent im Jahr 2009 zurück. Während der Anteil der unter 18-Jährigen rückläufig war, stieg der Anteil der 18- bis unter 25-Jährigen im gleichen Zeitraum an. Bei den 18- bis unter 25-Jährigen war der Anteil an allen innerhalb Sachsens Wandernden in den 2000er Jahren hoch. Zwischen 1999 und 2013 wurde durchschnittlich rund jeder 4. Umzug durch einen 18- bis unter 25-Jährigen verwirklicht. Hier könnte eine Zunahme der akademischen Ausbildung, aber auch geringere Ausbildungsmöglichkeiten am Heimatort, die eine höhere Mobilität erforderten, eine Rolle spielen. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich für die Altersgruppe der 25- bis unter 45-Jährigen feststellen, deren Anteil an allen Wandernden auf bis zu 43 Prozent im Jahr 2014 anstieg. Leicht zugenommen hat auch der Anteil der wandernden Seniorinnen und Senioren. Im Durchschnitt der Jahre 1989 bis 2020 war rund jeder 10. Umziehende im Alter von 65 und mehr Jahren.

Binnenwanderungen nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht

2 Diagramme: linkes Säulendiagramm Binnenwanderung der deutschen und nichtdeutschen Bevölkerung von 1989 bis 2020 absolut und bezogen auf 1000 Personen als Linie dar. Rechtes Säulendiagramm mit gleicher Darstellung für männlich und weiblich Bevölkerung.

Die Binnenwanderung wird durch die deutsche Bevölkerung dominiert. Im Durchschnitt der Jahre 1989 bis 2020 wurden mehr als 9 von 10 innersächsische Umzüge durch die deutsche Bevölkerung realisiert. Ausnahme bilden insbesondere die Jahre 2015 und 2016, in denen aufgrund des Zustroms der Schutzsuchenden durch die Verteilung auf die sächsischen Gemeinden der Anteil der Nichtdeutschen an der Binnenwanderung bei über 25 Prozent lag.

Bezieht man die Binnenwanderungen auf die jeweilige Bevölkerung, so lässt sich feststellen, dass Nichtdeutsche eine deutlich höhere Mobilität aufweisen. So lag die Binnenwanderungsrate der deutschen Bevölkerung im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 bei 23 Wanderungen je 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner und erreichte mit einer Rate von 28 im Jahr 1997 ihren Höchstwert. Bei der nichtdeutschen Bevölkerung betrug die Binnenwanderungsrate im Betrachtungszeitraum durchschnittlich 71 Wanderungen je 1 000 Nichtdeutscher. In den Jahren 2015 wurden mit 278 Wanderungen je 1 000 Personen sowie 2016 mit 210 Wanderungen je 1 000 Personen die höchste Mobilität registriert.

Die Verteilung der Binnenwanderungen insgesamt nach Geschlecht zeigte eine annähernd gleiche Aufteilung mit jeweils 50 Prozent im Durchschnitt der Jahre 1989 bis 2020 auf die männliche und weibliche Bevölkerung. Der jährliche Anteil der Binnenwanderungen von männlichen Personen lag zwischen 48 und 56 Prozent. Während zunächst die Zahl der wandernden weiblichen Bevölkerung etwas höher war, zogen 2009 mit 52 000 Wanderungsfällen erstmals etwas mehr Männer als Frauen innerhalb Sachsens um. Der Anteil der männlichen Bevölkerung an allen Binnenwanderungen erhöhte sich 2015 und 2016 auf jeweils über 54 Prozent, bedingt durch den höheren Anteil von Männern unter den Schutzsuchenden. Die Binnenwanderungsraten der männlichen Bevölkerung mit 25 Wanderungen je 1 000 Einwohner und der weiblichen Bevölkerung mit 23 Wanderungen je 1 000 Einwohnerinnen waren ebenfalls annähernd gleich. Im Vergleich zum Beginn der 1990er Jahre haben die Binnenwanderungsraten ab 1997 zugenommen und verharrten seitdem weitgehend auf diesem Niveau.

Die Betrachtung der Entwicklung der durchschnittlichen Wanderungsdistanz zeigt zunächst eine relativ gleichförmige Entwicklung mit leichten Veränderungen, die sich durch die Wanderungsmotive erklären lassen. Von 1990 bis 1992 betrug die durchschnittliche Wanderungsdistanz mindestens 22 Kilometer. Danach ging die durchschnittliche Wanderungsdistanz auf bis 18,9 Kilometer im Jahr 1997 zurück. Die Abnahme der durchschnittlich zurückgelegten Entfernung kann ihre Ursache in der in diesem Zeitraum stattgefundenen Suburbanisierung im Umkreis größerer Städte haben. Seitdem ist sie angestiegen und betrug 2019 rund 27,9 Kilometer.

Die Liniengrafik zeigt die durchschnittliche Wanderungsdistanz innerhalb Sachsens von 1990 bis 2019 nach Staatsangehörigkeit.

Der Anstieg der durchschnittlich zurückgelegten Entfernung innerhalb Sachsens konnte sowohl für die deutsche als auch die nichtdeutsche Bevölkerung festgestellt werden. Der Anstieg bei der deutschen Bevölkerung seit 2005 kann auch daraus resultieren, dass die Bildungswanderung einen immer größeren Anteil an der Binnenwanderung einnimmt, da sie sich auf Städte mit Hochschulstandorten konzentriert. Während zwischen 1990 und 2004 die deutsche Bevölkerung durchschnittlich 20,4 Kilometer zurücklegte, lag die durchschnittliche Wanderungsdistanz zwischen 2005 und 2019 bei 25,8 Kilometern.
Für die nichtdeutsche Bevölkerung lässt sich über den gesamten Betrachtungszeitraum mit 43,8 Kilometern eine höhere durchschnittliche Wanderungsdistanz feststellen. Hier spielt z.B. die verwaltungsbedingte Zuweisung an bestehende Unterkünfte für Asylbewerber eine zentrale Rolle. Die deutlich erhöhte durchschnittliche Wanderungsdistanz mit 54,0 Kilometern im Jahr 2015 verweist auf die dezentrale Verteilung der Schutzsuchenden in viele Gemeinden des Freistaates Sachsen.

Für Sie zusammengefasst: Einfluss der Binnenwanderungsgründe auf die durchschnittliche Wanderungsdistanz

Ermittlung der Wanderungsdistanz

Für jede Gemeinde im Freistaat Sachsen wird die Anzahl der tatsächlich stattgefundenen Zu- bzw. Fortzüge aus den übrigen Gemeinden des Freistaates Sachsen mit den dazugehörigen Entfernungsmaßen multipliziert. Das Entfernungsmaß ist die einfache lineare Entfernung zwischen den Schnittpunkten der Gemeinden. Als Schnittpunkt der Gemeinde gelten entweder die Koordinaten des Verwaltungssitzes oder des Zentrums der Gemeinde. Aus dem Verhältnis der aufsummierten Zu- bzw. Fortzüge zu den aufsummierten Wanderungsdistanzen ermittelt sich die durchschnittliche Wanderungsdistanz.

Das Binnenwanderungsverhalten weist geschlechts- und altersspezifische Unterschiede auf und kann Hinweise auf Wanderungsmotive geben.

Bis zu einem Alter von 15 Jahren bestanden kaum geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Binnenwanderungsrate, die die Wanderungen je 1 000 Personen der Bevölkerung des jeweiligen Altersjahres beschreibt. Ab 16 Jahren nahmen die Binnenwanderungen je 1 000 Personen bei der weiblichen Bevölkerung stärker zu als die der männlichen Bevölkerung. Die höchste Binnenwanderungsrate im Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2019 erreichten Frauen im Alter von 20 Jahren mit rund 90 Wanderungen je 1 000 Frauen. Männer erzielten die höchste Binnenwanderungsrate mit 25 Jahren und damit 5 Jahre später. Sie lag dabei mit 66 Wanderungen je 1 000 Männern zugleich unter dem Höchstwert bei Frauen. 

Die Liniengrafik zeigt den Durchschnitt der Wanderungen innerhalb Sachsen von 1990 bis 2019 nach Alter und Geschlecht.

Mit 28 Jahren wanderten bezogen auf das jeweilige Altersjahr dann weniger Frauen als Männer. Eine Ursache kann darin begründet sein, dass Frauen ab diesem Alter in die Familiengründungsphase eintreten und damit nicht mehr so mobil sind.
Mit dem offensichtlichen Abschluss privater oder beruflicher Entscheidungen geht die Binnenwanderungsintensität beider Geschlechter deutlich zurück. Ab dem 52. Lebensjahr wechseln dann bei Männern weniger als 11 je 1 000 Männer und bei den Frauen weniger als 10 Frauen je 1 000 Personen ihren Wohnsitz innerhalb Sachsens. Erst im betagten und hochbetagten Alter nahmen die Binnenwanderungen bezogen auf die Bevölkerung im jeweiligen Altersjahr wieder zu. Sie war bei Frauen höher als bei Männern, was auch aus einem höheren Anteil verwitweter Frauen in diesen Altersjahren resultieren kann, wenn man unterstellt, dass der Alltag in diesem Alter unter Umständen nur noch schwer allein bewerkstelligt werden kann.

Für Sie zusammengefasst: Binnenwanderung nach Alter und Geschlecht

Auch die Wanderungen der deutschen Bevölkerung innerhalb des Freistaates Sachsens werden durch externe Faktoren, wie persönliche, soziale oder wirtschaftliche Motive beeinflusst. Dies soll anhand der Binnenwanderungsraten zu verschiedenen Zeitpunkten veranschaulicht werden.

Das Balkendiagramm zeigt die Entwicklung der Wanderungen innerhalb Sachsens der Jahre 1995, 2008 und 2019 nach Familienstand.

Das Jahr 1995 war durch den Suburbanisierungsprozess mit dem Umzug in Neubaugebiete im Umland der großen Städte geprägt. Dies spiegelt sich auch in den Binnenwanderungsraten nach Familienstand wider. Für 1995 wurde bei den Ledigen mit 33 Binnenwanderungen je 1 000 lediger Deutscher die höchste Rate in Bezug auf den Familienstand ermittelt. Gleichzeitig hatten Verheiratete in diesem Jahr mit 16 Binnenwanderungen je 1 000 Personen die geringste Rate.
Das Jahr 2008 bestimmte u.a. die Wirtschafts- und Finanzkrise. Die im Vergleich zu 1995 und 2019 höhere Binnenwanderungsrate von 43 bei Ledigen kann in einer stärkeren überregionalen Arbeitssuche begründet sein. Für die übrigen Familienstände lagen die Binnenwanderungsraten unter denen von 1995, wobei bei der verheirateten deutschen Bevölkerung die Mobilität am stärksten rückläufig war. 

Externe Einflussfaktoren im Jahr 2019 waren eine gute wirtschaftliche Lage und der Prozesse der Re- und Suburbanisierung. Aufgrund des größeren Angebots an Arbeitsplätzen war die Binnenwanderungsrate der ledigen sowie der geschiedenen deutschen Bevölkerung gegenüber 2008 geringer. Die 11 Binnenwanderungen je 1 000 Verheirateter lagen leicht über der Binnenwanderungsrate von 9 im Jahr 2008. Eine leichte Zunahme der Mobilität konnte 2019 gegenüber den 2 Vergleichsjahren bei der verwitweten Bevölkerung festgestellt werden. Hier könnte neben der Unterbringung in Altenpflegeeinrichtungen auch der Einzug bei den eigenen Kindern eine Rolle spielen. 

Das Balkendiagramm zeigt die Entwicklung der Wanderungen innerhalb Sachsens der Jahre 1995, 2008 und 2019 nach Geschlecht und Familienstand.

Geschlechtsspezifisch lässt sich feststellen, dass die ledige weibliche Bevölkerung 2019 mit einer Binnenwanderungsrate von 43 mobiler war als die ledige männliche Bevölkerung mit 38 Binnenwanderungen je 1 000 Personen. Dagegen weisen verwitwete und geschiedene Männer eine höhere Mobilität als Frauen auf. Rund 23 verwitwete Männer je 1 000 der Bevölkerungsgruppe sowie 24 geschiedene Männer je 1 000 Personen verlegten 2019 ihren Wohnsitz innerhalb Sachsens. Bei den verwitweten Frauen zogen nur 19 Frauen je 1 000 und bei den geschiedenen Frauen nur 21 je 1 000 geschiedener Frauen um.

Für Sie zusammengefasst: Binnenwanderung nach Familienstand

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