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Wanderungsaustausch mit dem Ausland

Letzte Aktualisierung: 10.08.2021

Wanderungsvolumen des Freistaates Sachsen mit dem Ausland

Liniendiagramm Zu- und Fortzüge gegenüber dem Ausland von 1989 bis 2020. Im Betrachtungszeitraum wurden insgesamt 903 600 Zuzüge aus dem Ausland und 656 900 Fortzüge ins Ausland registriert.

Im Gegensatz zum Wanderungsaustausch mit dem Bundesgebiet weist das Wanderungsgeschehen mit dem Ausland ein geringeres Volumen und mehrheitlich Wanderungsgewinne auf. Im Betrachtungszeitraum 1989 bis 2020 konnte Sachsen Wanderungsgewinne gegenüber dem Ausland von insgesamt 246 700 Personen erzielen. Diese positive Wanderungsbilanz resultierte aus 903 600 Zuzügen und 656 900 Fortzügen. Die Entwicklung der Zu- und Fortzüge war dabei vorrangig durch externe Faktoren bestimmt.

Mit der Wiedervereinigung verließen beispielsweise 1990 rund 21 600 Personen Sachsen mehr in Richtung Ausland als aus dem Ausland kamen, was auf eine Heimkehr der ausländischen Vertragsarbeiter in der DDR schließen lässt. Die hohen Zuzüge der Jahre 1994 bis 1996 mit durchschnittlich 36 500 Personen hatten ihre Ursache im Bürgerkrieg des ehemaligen Jugoslawiens, aber auch im beginnenden Zuzug der Spätaussiedler. Der zeitversetzte erhöhte Fortzug in den Jahren 1996 bis 1998 könnte mit der Rückkehr in die Heimatländer zusammenhängen.

Balkendiagramm Wanderungsgewinne bzw. Wanderungsverluste des Freistaates Sachsen gegenüber dem Ausland von 1989 bis 2020. Wanderungsverluste wurden in diesem Zeitraum nur in den Jahren 1990, 2004 sowie 2008 und 2009 registriert.

Ab 1998 bis 2011 lagen die jährlichen Zuzüge aus dem Ausland unter 25 000 Personen. Auch die Fortzugsintensität war insbesondere zwischen 1999 und 2012 mit durchschnittlich 16 900 Fortzügen pro Jahr relativ gering. Seit 2012 stiegen die Zuzüge aus dem Ausland deutlich an und erreichten 2015 mit 64 600 Zuzügen aufgrund des Zustroms der Schutzsuchenden ihren bisherigen Höhepunkt. In den letzten 6 Jahren (2015-2020) kamen insgesamt 298 400 Personen aus dem Ausland, was rund 33 Prozent aller Zuzüge von 1989 bis 2020 entsprach. Eine ähnliche Entwicklung konnte bei den Fortzügen festgestellt werden. Auch diese stiegen insbesondere ab 2016 an und lagen bis 2019 immer über 33 000 Personen, 2020 bei knapp 30 000.

Der Freistaat Sachsen erreichte zwischen 1989 und 2020 mit dem Ausland eine positive Wanderungsbilanz von 246 700 Personen. Wanderungsverluste gegenüber dem Ausland verzeichnete Sachsen nur für die Jahre 1990, 2004 sowie 2008 und 2009. Auch hier wird sichtbar, dass die letzten Jahre ab 2015 einen entscheidenden Anteil an den Wanderungsgewinnen hatten. Im Zeitraum 2015 bis 2020 betrug der positive Wanderungssaldo 97 500 Personen und machte damit knapp 40 Prozent des Gesamtwanderungssaldos mit dem Ausland aus.

Altersstruktur des Wanderungsaustauschs mit dem Ausland

Entsprechend der Wanderungsgründe setzten sich die Zuziehenden aus dem Ausland bzw. die Fortziehenden in das Ausland in ihrer Altersstruktur zusammen. Die Wanderungsverluste im Jahr 1990 von 21 600 Personen basierten weitgehend auf der Rückkehr der Vertragsarbeiter der DDR, da fast ausschließlich die Altersgruppen der 18- bis unter 25-Jährigen sowie 25- bis unter 45-Jährigen abwanderten. Ab 1992 bis 1996 prägten Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie Spätaussiedler die positive Wanderungsbilanz von insgesamt 88 700 Personen. Dabei kann auch auf stärkere familiäre Strukturen der Zuwanderung geschlossen werden, da im Durchschnitt der Jahre 1992 bis 1996 rund 23 Prozent der Wanderungsgewinne auf Kinder und Jugendliche im Alter bis unter 18 Jahre sowie 43 Prozent auf deren mögliche Elterngeneration im Alter von 25 bis unter 45 Jahre entfielen. Ab 1997 dominierte bei den geringen Wanderungsgewinnen die Altersgruppe der 18- bis unter 25-Jährigen, bei denen vorrangig von Bildungsmigration ausgegangen werden kann. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Sachsen ab Ende der 1990er Jahre bewirkte ab Mitte der 2000er Jahre auch Veränderungen beim Wanderungsaustausch mit dem Ausland. 

Balkendiagramm Wanderungssaldo des Freistaates Sachsen gegenüber dem Ausland von 1989 bis 2020 nach Altersgruppen. Mindestens 9 von 10 Wanderungsgewinnen entfielen im Betrachtungszeitraum 1989 bis 2020 auf die Altersgruppen bis unter 45 Jahre.

Von 2004 bis 2010 verlor Sachsen 13 100 Personen im erwerbsfähigen Alter von 25 bis unter 65 Jahren. Auch die Bildungsmigration war in diesem Zeitraum rückläufig. Während von 1997 bis 2003 Sachsen durchschnittlich  Wanderungsgewinne von 2 700 Personen im Alter von 18 bis unter 25 Jahren erzielen konnte, lagen die durchschnittlichen Wanderungsgewinne dieser Altersgruppe von 2004 bis 2010 bei 1 600 Personen.

Seit 2011 konnte Sachsen bei allen Altersgruppen bis unter 65 Jahre eine positive Wanderungsbilanz erreichen. Mindestens 9 von 10 Wanderungsgewinnen entfielen im Betrachtungszeitraum 1989 bis 2020 auf die Altersgruppen bis unter 45 Jahre. So entfielen vom Gesamtwanderungssaldo von 246 700 Personen immerhin 227 800 Personen bzw. 92 Prozent auf diese Altersgruppen.

Wanderungsaustausch mit dem Ausland nach Staatsangehörigkeit

Balkendiagramm Wanderungssaldo des Freistaates Sachsen gegenüber dem Ausland von 1989 bis 2020 nach Staatsangehörigkeit. Außer für die Jahre 1990 und 1991 konnte Sachsen in allen Jahren Wanderungsgewinne bei den Nichtdeutschen verzeichnen.

Erwartungsgemäß wurde der Wanderungsaustausch mit dem Ausland durch die Nichtdeutschen bestimmt. Rund 85 Prozent der Zuzüge aus dem Ausland und 81 Prozent der Fortzüge in das Ausland wurden durch Nichtdeutsche realisiert. Außer für das Jahr 1990 mit einem negativen Wanderungssaldo von 21 200 Personen und 1991 mit 2 000 konnte Sachsen in allen Jahren Wanderungsgewinne bei den Nichtdeutschen verzeichnen. Dabei ist vor allem ab 2011 ein deutlicher Anstieg erkennbar. Im Zeitraum 1997 bis 2010 – nach Beendigung des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien – erzielte Sachsen eine positive Wanderungsbilanz von 47 500 nichtdeutschen Personen bzw. durchschnittlich 3 400 Personen pro Jahr. Ab 2011 bis 2020 erreichten die Wanderungsgewinne einen Umfang von 156 000 Personen bzw. rund 15 600 Personen pro Jahr. Damit entfielen fast zwei Drittel (65 Prozent) aller Wanderungsgewinne von Nichtdeutschen mit dem Ausland auf die letzten zehn Jahre.

Balkendiagramm Wanderungssaldo des Freistaates Sachsen gegenüber dem Ausland von 2011 bis 2020 nach Staatsangehörigkeit. Im Betrachtungszeitraum hatten die Wanderungsgewinne der Nichtdeutschen einen Umfang von 156 000 Personen.

Mit Ausnahme der Jahre 1992 bis 1997 mit dem erhöhten Zuzug von insgesamt 67 200 Spätaussiedlern (Quelle:  BVA) lagen die Zuzüge von Deutschen bis 2015 jeweils unter 4 000 Personen. Seit 2016 stellt sich ein deutlicher Anstieg der Zuzüge von Deutschen aus dem Ausland bis auf 8 900 Personen (2019) dar, der jedoch auf die verstärkte Verbuchung auf das unbekannte Ausland zurückzuführen ist. Während zu Beginn des Betrachtungszeitraums die Fortzüge von Deutschen in das Ausland auf einem geringen Niveau lagen, zeigten die Jahre 2007 bis 2009 eine erhöhte Fortzugstätigkeit von durchschnittlich 5 500 Personen pro Jahr. Hier kann eine Ursache in der Wirtschaftskrise gesehen werden, aufgrund welcher mehr Deutsche aus Sachsen ihr »Glück« im Ausland suchten. Trotz eines leichten Rückganges ab 2010 blieben die Fortzüge mit durchschnittlich 6 900 pro Jahr auf einem höheren Niveau, wobei auch hier die Anzahl der Fortzüge in das unbekannte Ausland seit 2016 auf einem höheren Niveau lag. Ohne den Zuzug der Spätaussiedler in den 1990er Jahre hätte Sachsen vermutlich eine durchgängige negative Wanderungsbilanz bei der deutschen Bevölkerung. Die Wanderungsgewinne in den 10 Jahren von 1991 bis 2000 von insgesamt 43 400 reichten aus, um die Wanderungsverluste von 36 200 Personen aus den übrigen 22 Jahren zu kompensieren.

Der Wanderungsaustausch Sachsens mit dem Ausland unterlag starken Veränderungen und war vorrangig durch externe Faktoren bestimmt. Abhängig von den Hauptwanderungsströmen im Austausch mit dem Ausland zeigen sich deutliche Unterschiede beim Wanderungsgeschehen nach Monaten.

Der monatliche Wanderungssaldo im Durchschnitt der Jahre 1993 bis 1995 weist eine hohe Konstanz auf. Diese Jahre waren durch den Zu- und Fortzug der Kriegsflüchtlinge aus dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien bestimmt. Auch der ansteigende Zuzug von Spätaussiedlern fiel in diese Jahre. Hier gab es keine besonderen monatsbezogenen Wanderungsgründe. Der durchschnittliche monatliche Wanderungssaldo schwankte dabei zwischen 1 500 Personen und 2 100 Personen. 

Die Liniengrafik stellt die Wanderungsgewinne bzw. Wanderungsverluste Sachsens gegenüber dem Bundesgebiet im Durchschnitt der Jahre 1993 bis 1995 sowie der Jahre 2015, 2018 und 2019 nach Berichtsmonaten dar.

Die Wanderungsbilanz mit dem Ausland nach Monaten für das Jahr 2015 zeigt dagegen den deutlichen Anstieg der Wanderungsgewinne in den letzten beiden Quartalen des Jahres 2015. Während im ersten Halbjahr 2015 die monatlichen Wanderungsgewinne bei durchschnittlich 1 900 Personen lagen, stiegen sie im dritten Quartal aufgrund des erhöhten Zustroms von Schutzsuchenden bereits auf durchschnittlich 3 500 Personen pro Monat an. Mit einem durchschnittlichen monatlichen Wanderungsgewinn von 6 500 Personen in den Monaten Oktober bis Dezember hatten sich die Wanderungsgewinne nochmals fast verdoppelt.

Der Wanderungsaustausch für die Jahre 2018 und 2019 weist jeweils ähnliche Muster auf. Aufgrund des Verlaufs der Wanderungsgewinne innerhalb des Jahres kann darauf geschlossen werden, dass in diesen Jahren die Bildungswanderung einen höheren Anteil aufweist. So liegen die Wanderungsgewinne in den Monaten September und Oktober (Beginn des Wintersemesters) deutlich über denen der anderen Monate.

Für Sie zusammengefasst: Wanderungszyklen nach Monaten

Der Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Zuzüge und der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit ist nur bedingt feststellbar. Die Anzahl der Zuzüge aus dem Ausland von Personen mit einer Staatsangehörigkeit der ausgewählten EU-Mitgliedsstaaten stieg bereits im Vorfeld der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Dabei bedingte teilweise bereits der Beitritt zur EU einen Anstieg der Zuzüge.

Die Liniengrafiken zeigen die Entwicklung der Zuzüge von Personen aus dem Ausland nach Sachsen mit einer Staatsangehörigkeit der EU-Beitrittsstaaten von 2004 und von 2007.

Für die Staatsangehörigen der acht europäischen Staaten, die 2004 der EU beitraten, stiegen die Zuzüge von 2 400 Personen im Jahr 2003 auf 3 300 im Jahr 2004. Danach gingen die Zuzüge bis 2008 zurück. Seit 2009 nahmen die Zuzüge jährlich zu, wobei im Jahr 2011 mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit für diese EU-Mitgliedsstaaten die Zunahme der Zuzüge deutlich höher lag als in den übrigen Jahren. 

Einen größeren Einfluss der Arbeitnehmerfreizügigkeit auf die Entwicklung der Zuzüge lässt sich für die 2007 beigetretenen Staaten Bulgarien und Rumänien feststellen, für die ab 2014 die freie Wahl des Arbeitsortes innerhalb der EU galt. Zwar stiegen die Zuzüge seit 2007 von 650 Zuzügen kontinuierlich auf 6 400 Zuzüge im Jahr 2019 an, 2014 nahmen sie jedoch gegenüber dem Vorjahr mit 1 400 Zuzügen überdurchschnittlich stark zu.

Was bedeutet Arbeitnehmerfreizügigkeit?
Die Arbeitnehmerfreizügigkeit regelt, dass Staatsangehörige der EU-Mitgliedsstaaten das Recht haben, ihren Arbeitsplatz innerhalb der EU frei zu wählen. Deutschland hatte die Arbeitnehmerfreizügigkeit lange eingeschränkt. Für die 2004 beigetretenen Staaten Polen, Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei, Slowenien sowie die 3 baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen galt ab Mai 2011 die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Für die 2007 der EU beigetretenen Staaten Bulgarien und Rumänien galt dies ab dem 1. Januar 2014.

Für Sie zusammengefasst: Arbeitnehmerfreizügigkeit und Wanderungen

Die Zuwanderung in den Freistaat Sachsen hängt stark von den Entwicklungen in den Herkunftsländern ab. Welche Staaten zu den zehn Staaten mit den meisten Zuzügen von Nichtdeutschen gehören, änderte sich aufgrund des starken Zustromes der Schutzsuchenden seit 2015 stark.

Im Zeitraum 2000 bis 2013 wies Sachsen die höchsten Wanderungsgewinne von 35 000 Personen bzw. 52 Prozent bei Nichtdeutschen aus europäischen Staaten auf. Gegenüber asiatischen Staaten lag der positive Wanderungssaldo in diesem Zeitraum bei 23 600 Personen bzw. einem Anteil von 35 Prozent. Etwas mehr als jeder 8. Wanderungsgewinn (12 Prozent) entfiel auf die Staaten der übrigen Kontinente.

Die linke Balkengrafik zeigt die 10 Staaten mit den höchsten Wanderungsgewinnen bei der nichtdeutschen Bevölkerung, die rechte Balkengrafik die 10 Staaten mit den höchsten Wanderungsverlusten bei der deutschen Bevölkerung im Zeitraum 2000 bis 2019.

Aufgrund des Zustroms der Schutzsuchenden kehrte sich dieses Verhältnis komplett um. Im Zeitraum von 2014 bis 2019 verzeichnete Sachsen die höchsten Wanderungsgewinne mit 64 100 Personen (54 Prozent) gegenüber den asiatischen Staaten. Dies resultierte aus dem sprunghaft angestiegenen positiven Wanderungssaldo mit Syrien von 1 600 Personen im Zeitraum 2000 bis 2013 auf 25 600 Personen für den Zeitraum 2014 bis 2019. Somit waren von 2014 bis 2019 rund 22 Prozent der Wanderungsgewinne mit dem Ausland bei der nichtdeutschen Bevölkerung durch den Wanderungsaustausch mit Syrien bedingt. 

Bei der Rangfolge der häufigsten Auswanderungsländer der deutschen Bevölkerung aus Sachsen lassen sich dagegen konstante Verhaltensmuster feststellen. Über den gesamten Betrachtungszeitraum 2000 bis 2019 waren die europäischen Staaten Schweiz und Österreich die Hauptauswanderungsländer. Im Zeitraum von 2000 bis 2019 wiesen Deutsche gegenüber der Schweiz und Österreich eine negative Wanderungsbilanz von insgesamt 16 800 Personen auf. Über die europäischen Länder hinweg dominierten als Auswanderungsland die »klassischen« Auswanderungsziele wie die Vereinigten Staaten, Kanada oder Australien. 

Für Sie zusammengefasst: TOP10 der Ein- und Auswanderungsländer

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